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30.05.2018

Herausforderung gesunder Lebensstil bei Diabetes

Zum 16. Diabetikertag am 16. Juni sprechen Oberarzt Udo Schwill und Diabetesberaterin Nicole Jonas im Interview über Magenverkleinerung, Herzerkrankungen, Fußpflege und die Schwierigkeit, einen gesunden Lebensstil durchzuhalten.
Diabetesberaterin Nicole Jonas und der Arzt Udo Schwill planen den Diabetikertag am 16. Juni 2018.

Ein eingespieltes Team am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg: Diabetesberaterin Nicole Jonas und Internist Oberarzt Udo Schwill. Alljährlich organisieren sie den Diabetikertag. Foto: Immanuel Diakonie/Cornelia Fülling

Unter der Schirmherrschaft von Bernaus Bürgermeister André Stahl lädt das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg am Sonnabend, den 16. Juni, von 10 bis 13 Uhr zum 16. Diabetikertag ein. Mit Vorträgen und individueller Beratung klären die Fachleute des Klinikums, des Diabetikerbundes und der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Bernau über die Volkserkrankung Diabetes auf. Wer möchte, kann vor Ort Blutzucker und Blutdruck messen lassen.

Im Interview geben Oberarzt Udo Schwill und Diabetesberaterin Nicole Jonas vom Immanuel Klinikum Bernau Einblicke in die Themen des Diabetikertags.

„Das Skalpell bei Diabetes – Eine neue Therapieform?“ heißt der Titel Ihres Vortrags, Herr Schwill. Kann man denn mit dem Skalpell gegen die Krankheit vorgehen?

Udo Schwill: Das würden sich sicher viele wünschen, aber so einfach geht das nicht. Gemeint sind Magenverkleinerungen. Deutschland ist Doppeleuropameister bezüglich des Auftretens von Diabetes und Übergewicht. Übergewicht ist ja eine der Ursachen für Typ-2-Diabetes. Wie die Erfahrungen zeigen, funktioniert die konventionelle Lebensstiländerung nur eine begrenzte Zeit. Daher sind Chirurgen auf die Idee gekommen, bei Patienten mit sehr starkem Übergewicht Magenverkleinerungen als Option anzubieten und durchzuführen. Durch einen solchen Eingriff tritt ein schnelleres Sättigungsgefühl ein. Dies wiederum führt dazu, dass die Patienten nicht nur deutlich an Gewicht verlieren, sondern auch ihr Blutdruck sinkt, sich die diabetische Stoffwechsellage verbessert und weniger Schlafstörungen auftreten. Die neue Therapieform ist ein Versuch, dem Diabetes mit dem Skalpell zu Leibe zu rücken. Im Einzelfall kann eine Magenverkleinerung sicher eine Option sein, ein Allheilmittel ist sie aber nicht. Der Eingriff will gut überlegt sein, schließlich ist er mit nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen verbunden und erfordert lebenslange Nachsorge. Der Magen kann nicht wieder vergrößert werden.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Diabetes und Herzerkrankungen?

Udo Schwill: Diabetes und Übergewicht sind wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung von Durchblutungsstörungen an den Herzkranzgefäßen und für Herzinfarkte. Über die Therapiemöglichkeiten für herzkranke Diabetiker wird Oberarzt Dr. med. Cornel Koban von unserer Abteilung für Kardiologie auf dem Diabetikertag informieren.

Warum ist die Fußpflege für Diabetiker so wichtig?

Nicole Jonas: Im Berufsalltag merke ich immer wieder, dass die Füße sehr vernachlässigt werden. Diabetiker sollten jeden Abend ihre Füße danach untersuchen, ob Rötungen, Schwellungen, Fußpilz oder Risse zwischen den Zehen auftreten. Nur wenn diese zeitnah behandelt werden, lassen sich Folgeschäden vermeiden.

Wenn es in den Füßen kribbelt, ist das ein Zeichen für diabetische Polyneuropathie?

Nicole Jonas: Ja, das ist es. Dabei handelt es sich um Nervenstörungen am Fuß. Die Patienten haben ein herabgesetztes Schmerz- und Wärmeempfinden. Kleine Verletzungen spüren sie nicht mehr. In den Füßen kribbelt es. Durch die Nervenstörungen können schon Bagatellverletzungen schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu Amputationen. Auf dem Diabetikertag wird unser Internist Sören Bode genauer darüber informieren. Ich kann seinen Vortrag nur empfehlen.

Über die Geschichte und Zukunft der Diabetologie wird Christiane Schade, Internistin der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Bernau, sprechen.

Udo Schwill: Die Diabetologie hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt. Nur ein Beispiel: In den 1960er Jahren wurden für eine Blutzuckermessung noch 250 Milliliter Blut abgenommen. Heute sind es gerademal 0,3 Mikroliter. Was für eine Erleichterung, fast ein Luxus für die Betroffenen! Und wer weiß: Vielleicht kommt in 10 bis 20 Jahren intelligentes Insulin auf den Markt.

Zur Aufklärung über Diabetes wird viel getan. Auch Sie beide engagieren sich sehr dafür. Sind Sie mit den Erfolgen zufrieden?

Nicole Jonas: Die weltweite Entwicklung ist eher frustrierend. Diabetes ist inzwischen eine Volkskrankheit. Etwa acht Millionen Menschen sollen allein in Deutschland von dem Typ-2-Diabetes betroffen sein. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer der nichtdiagnostizierten Diabetiker: schätzungsweise rund zwei Millionen. Jahr für Jahr werden es mehr. Und die Patienten werden immer jünger. Fast ein Drittel der mehr als 12.000 Patienten, die jedes Jahr stationär bei uns behandelt werden, sind Diabetiker.

Warum ist es so schwer, diese Entwicklung zu bremsen?

Udo Schwill: Eigentlich dürfte es gar nicht so schwer sein. Die Zauberwörter kennen wir alle zur Genüge: den Lebensstil dauerhaft ändern, sich mehr bewegen und gesund ernähren. Das klingt so einfach, ist aber sehr schwer durchzuhalten. Dabei kann man bei der Vorbeugung gegen und der Behandlung von Diabetes durch Selbstdisziplin sehr viel mehr bewirken. Aber gerade diese aufzubringen, ist offensichtlich das Problem. Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen und werden auch künftig Diabetikertage veranstalten. Denn wir sind uns sicher: Wäre die Aufklärung über die Krankheit nicht so intensiv, würde die Zahl der Diabetiker noch schneller steigen und litten bereits Erkrankte noch häufiger an Begleiterkrankungen.

Veranstaltungsort

Der 16. Diabetikertag am 16. Juni von 10 bis 13 Uhr findet im Speisesaal im Untergeschoss des Klinikums an der Ladeburger Straße 17 in 16321 Bernau bei Berlin statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

Das vollständige Programm des 16. Diabetikertags können Sie hier nachlesen.

 
 
 
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