PTCA mit medikamentenbeschichtetem Ballon

Wird durch eine medikamentöse Therapie keine ausreichende Beschwerdefreiheit erreicht, können Engstellen der Herzkranzgefäße im Herzkatheterlabor behandelt werden. Kommt es in einem bereits behandelten Bereich erneut zur Einengung, kann die Behandlung mit einem medikamentenbeschichteten Ballon eine Möglichkeit sein.

Hinterwandarterie mit eingebautem Stent und einer erneuten Einengung im mittleren Bereich

Was ist eine PTCA mit medikamentenbeschichtetem Ballon?

Eine PTCA mit medikamentenbeschichteten Ballons ist eine Abwandlung der Standardtechnik, bei der andere Materialien verwendet werden. Über einen Führungsdraht wird im Regelfall zunächst ein Ballon in die erneut eingeengte Stelle vorgebracht und das Gefäß geweitet. In einem zweiten Schritt wird ein medikamentenbeschichteter Ballon in das Gefäß vorgebracht und der Ballon entfaltet. Durch den Kontakt der Ballonoberfläche mit der Gefäßwand wird das Medikament von dem Ballon auf die Gefäßwand übertragen.

Historische Wurzeln und Entwicklung der Therapieform

Die erste Katheteruntersuchung des menschlichen Herzens wurde 1929 durch den deutschen Urologen Werner Forßmann in Eberswalde durchgeführt. Damals wie in den Folgejahren beschränkte sich die Katheterisierung zunächst auf die rechten Herzhöhle und das venöse System. Weiterentwicklungen der Technik erlaubten in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch den Zugang zu den linken Herzhöhlen.

Mason Sones war 1959 der erste, dem es gelang, durch die Injektion von Kontrastmittel Herzkranzgefäße in einer Röntgenuntersuchung selektiv darzustellen. In den folgenden Jahren wurden Herzkatheteruntersuchungen zunächst vorwiegend zu diagnostischen Zwecken durchgeführt. Andreas Grüntzig erkannte dann in den frühen 70er Jahren, dass Ballonkatheter für die Behandlung von Gefäßeinengungen verwendet werden könnten. Die Ballonkatheter konnten durch ihn verkleinert werden, so dass 1977 die erste Ballondilatation eines Herzkranzgefäßes im Kantonsspital Zürich durchgeführt werden konnte.

Erste Stents wurden 1968 durch Charles Dotter in den Arterien von Hunden implantiert. Weiterentwicklungen der Technik führten zur ersten Implantation eines selbstentfaltenden Stents 1987 durch Sigwart und Mitarbeiter und des ersten ballonentfalteten Stents 1985 durch Palmaz und Mitarbeiter. In den folgenden Jahrzehnten ist die Technik wesentlich weiterentwickelt worden, dabei stand auf der einen Seite die zunehmende Miniaturisierung des Materials und auf der anderen Seite ein verändertes Stentdesign mit dem Aufbringen von Medikamenten auf die Oberfläche von Stents im Vordergrund.

Trotz der Verwendung von Stents neuesten Designs mit Medikamentenbeschichtung kommt es in den Jahren nach der Behandlung bei 5-10% der Patienten zu einer erneuten Einengung im behandelten Bereich. Scheller und Mitarbeiter waren die ersten, die in einer größeren Patiententengruppe zeigen konnten, dass ein medikamentenbeschichteter Ballon ein geeignetes Mittel ist, um Patienten mit einer diffusen Einengung im Stent zu behandeln.

Welche Krankheitsbilder werden damit behandelt?

Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris und erneuter Einengung in einem behandelten Bereich

Was wird gemacht und was bewirkt es?

Der medikamentenbeschichtete Ballon überträgt durch kurzzeitige Aufdehnung das wachsttumshemmende Medikament auf die Gefäßwand

Eine PTCA wird durchgeführt, um eine Engstelle an Herzkranzgefäßen zu behandeln und dadurch Angina pectoris unter Belastung zu vermindern. Da eine Engstelle ab einem Ausmaß von etwa 75% den Blutfluss unter körperlicher Belastung behindert, kommt es bei Menschen mit Engstellen an den Herzkranzgefäßen unter Belastung zu einer Minderversorgung des Herzens mit Sauerstoff. Diese Minderversorgung äußert sich bei den meisten Patienten in Brustenge unter Belastung, der sogenannten Angina pectoris. Dadurch, dass die Engstelle mit Ballons und/oder Stents behandelt wird, kann das Blut die vormalige Engstelle nach der Behandlung ungehindert passieren.

In Abhängigkeit von den Charakteristika der Engstelle und von Begleiterkrankungen können unbeschichtete oder mit einem Medikament beschichtete Stens verwendet werden, damit nach der Behandlung nicht im Laufe von Monaten erneut eine Engstelle auftritt. In Abhängigkeit von der Technik der Stentimplatation, dem verwendeten Stenttyp und den Eigenschaften des behandelten Gefäßsegments kommt es in 5-10% der Fälle zu einer erneuten Einengung, auch wenn für die Behandlung eine beschichteter Stent verwendet wurde.

In Standardtechnik wird ein Führungsdraht über die Engstelle vorgebracht und im Regelfall die Engstelle zunächst mit einem Standardballon gedehnt. Dann wird der Ballon gegen eine Ballon ausgetauscht, auf dessen Oberfläche das Medikament Paclitaxel aufgebracht ist. Dieser Ballon wird in die Engstelle vorgebracht und dort für einen längeren Zeitraum (45-60s) entfaltet. Während der Ballon entfaltet ist, wird das Medikament von der Oberfläche des Ballons auf die Gefäßwand übertragen und kann dort im Laufe der nächsten Tage seine Wirkung entfalten. Das Verfahren ist gut geeignet, wenn eine einzelne Engstelle in einem behandelten Bereich wieder auftritt.

Bei Patienten mit mehreren Engstellen in bereits behandelten Bereichen ist im Regelfall eine Bypass-Operation das besser geeignete Verfahren.

Therapieschritte

Endergebnis mit erfolgreich behandelter Engstelle
  • Der Patient wird auf dem Kathetertisch gelagert und steril abgedeckt.
  • Handgelenk, Leiste oder Ellenbeuge werden steril abgewaschen.
  • Nach einer örtlichen Betäubung wird die Arterie mit einer Nadel punktiert.
  • Ein Katheter wird bis zum Herzkranzgefäß vorgebracht.
  • Die Engstelle des Herzkranzgefäßes wird mit einem Führungsdraht passiert.
  • Über den Führungsdraht wird ein Ballon in die Engstelle vorgebracht und entfaltet.
  • Der Ballon wird zurückgezogen, ein beschichteter Ballon wird vorgebracht und entfaltet.
  • Ballon und Katheter werden entfernt, die Punktionsstelle mit Druckverband oder Nahtsystem verschlossen.
  • Überwachung des Patienten, Entlassung im Regelfall am Folgetag.

Quellen

  • Peterson KL, Nicod P (Hrsg.) Cardiac Catheterization. Methods, Diagnosis, and Therapy. 1st ed. Saunders. Philadelphia, Toronto, Montreal, Sydney, Tokyo. 1997.
  • Topol EJ: Textbook of Interventional Cardiology. 5th ed. Saunder, Elsevier. Philadelphia 2008.
  • Krakau I: Das HerzkatheterScheller B, Hehrlein C, Bocksch W et al. N Engl J Med. 2006 Nov 16;355(20):2113-24.buch. Thieme Stutgart, New York 1999.
  • Scheller B, Hehrlein C, Bocksch W et al. N Engl J Med. 2006 Nov 16;355(20):2113-24.
 
 
 
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