Bypass-Operationen

Bypass-Operationen sind die häufigsten Operationen am Herzen. Sie dienen dazu, Engstellen in den Herzkranzgefäßen mit einem Umgehungskreislauf zu überbrücken. Zumeist ist für den Eingriff eine komplette Durchtrennung des Brustbeins erforderlich, mitunter lässt er sich aber auch minimal-invasiv durchführen.

Was ist eine Bypass-Operation?

Bei einer Bypass-Operation werden verengte oder verschlossene Herzkranzarterien durch eine Umleitung („Bypass“) überbrückt. Dies dient dazu, jene Teile des Herzmuskels wieder ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen, die hinter der Engstelle liegen.

Als Gefäßbrücken lassen sich sowohl Stücke aus den oberflächlichen Beinvenen eines Patienten (Venen-Bypass) als auch die inneren Brustwandarterien (arterieller Bypass) nutzen. Bisweilen verwenden Chirurgen auch einen Abschnitt aus einer Arterie am Unterarm, um einen Bypass am Herzen anzulegen.

Wann helfen Bypass-Operationen?

Bypass-Operationen werden bei komplexen und gravierenden Formen der Koronaren Herzkrankheit vorgenommen, insbesondere wenn sich das Leiden nicht durch Medikamente oder einen Herzkatheter-Eingriff behandeln lässt.
In sehr speziellen Fällen dienen Bypass-Operationen auch als Notfalleingriffe bei akutem Herzinfarkt.

Anteil der Koronarchirurgie auf dem Gebiet der Herzoperationen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Jahresstatistik 2012.

Wie helfen Bypass-Operationen?

Bypass-Operationen sollen einen Durchblutungsmangel im Herzen beheben. Dieser tritt häufig auf, wenn ein Herzkranzgefäß hochgradig verkalkt ist. Der Bypass leitet dann das Blut um die Engstelle herum – auch die dahinter liegenden Anteile des Herzmuskels erhalten dadurch wieder ausreichend Blut und Sauerstoff. Auf diese Weise können Bypass-Operationen eine Herzinsuffizienz oder einen Herzinfarkt vermeiden helfen.

Prinzipiell gibt es dabei zwei operative Strategien: Zum einen lassen sich Umgehungskreisläufe am Herzen mit körpereigenen Venen konstruieren. Diese Methode wird am häufigsten angewandt, weil fast jeder Mensch am Ober- oder Unterschenkel intakte oberflächlich gelegene Venenabschnitte besitzt. Ihre Entnahme ist unproblematisch, da andere Venen den Bluttransport am Bein übernehmen. Auch besitzen die Beinvenen ein zu den Koronararterien des Herzens passendes Kaliber.

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Wie erfolgt eine Bypass-Operation?

Eine typische Bypass-Operation verläuft folgendermaßen:

  • Nach Einleiten einer Allgemeinnarkose durchtrennen die Ärzte das Brustbein und öffnen den Brustkorb.
  • Der Operateur löst die linke innere Brustwandarterie an ihrem unteren Ende von der Brustwand ab, um sie zum Herzen umleiten zu können. Gleichzeitig entnimmt ein zweiter Chirurg eine Vene am Bein, die je nach Anzahl der notwendigen Bypässe zu mehreren Stücken zurechtgeschnitten wird.
  • Eine Herz-Lungen-Maschine wird angeschlossen: Der Apparat saugt Blut aus den Hohlvenen an, sättigt es mit Sauerstoff und pumpt es in die Hauptschlagader zurück. Damit übernimmt die Maschine die Kreislauffunktion.
  • Das Herz selbst kann jetzt mit speziellen Infusionen stillgelegt werden. (Bei bestimmten Patienten lässt sich auf die Herz-Lungen-Maschine verzichten, der Chirurg arbeitet dann am schlagenden Herzen. Der Herzmuskel wird lediglich mit einer Saugglocke fixiert.)
  • Mithilfe einer Lupenbrille schließt der Chirurg nun die innere Brustwandarterie an ein verkalktes Herzgefäß hinter der bedrohlichen Engstelle an; mit den entnommenen Venenstücken werden weitere Gefäßbrücken von der Aorta zu den Kranzgefäßen geschlagen.
  • Das Blut wird wieder durchs Herz geleitet und wärmt es an; das Organ beginnt oft spontan oder aber mithilfe von elektrischen Impulsen zu schlagen.
  • Nach genauer Kontrolle der Herzfunktion und aller Bypass-Verbindungen koppelt das Operationsteam die Herz-Lungen-Maschine ab.
  • Das Brustbein wird verdrahtet, der Brustkorb verschlossen.

Verschiedene Arten von Bypass-Operationen

Schema des Herzens
Die beiden Schlagadern des Unterarms

Die verengte oder verschlossene Region der Koronararterie, die der Kardiologe nicht mit einem Platzhalter (Stent) hat versorgen können, wird vom Herzchirurgen mit einer Bypassbrücke versorgt. Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Bypassbrücken mit körpereigenen Venen: ACVB (Aorto-Coronarer Venen Bypass)
Sie werden am häufigsten angewandt, da fast jeder Mensch intakte, oberflächliche Venen am Bein aufweist, die somit als körpereigene Bypassbrücke zum Einsatz kommen können.

Die Entnahme am Bein ist unproblematisch, da dort andere Venen die Funktion des Bluttransportes übernehmen. Die körpereigenen Venen vom Bein eignen sich sehr gut für Bypassbrücken, da sie ein zu den Koronararterien passendes Kaliber aufweisen.

Bypassbrücken mit der Brustwandarterie: LIMA (linke Arteria mammaria interna)
Jeder Mensch besitzt an der Rückseite der Brustwand kleine Schlagadern, die eine ganz ähnliche Größe wie die Herzkranzgefäße aufweisen. Sie sind daher ebenfalls sehr gut als Bypassbrücken geeignet. Sie werden hauptsächlich als Bypassbrücke für die Herzkranzgefäße der Vorderwand des Herzens verwendet. Sie sind technisch sehr viel aufwändiger freizulegen und anzuschließen, weisen aber eine sehr gute Langzeit-Haltbarkeit auf.

Bypassbrücken mit der Unterarmarterie
Jeder Mensch besitzt zwei Unterarmarterien. Die größere der beiden wird als Arteria radialis bezeichnet und kann entnommen werden, wenn die andere Arterie die Hand ausreichend mit Blut versorgt. Dies kann man sicher testen und somit eine Gefährdung der Durchblutung der Hand bei Entnahme der Arteria radialis ausschließen. Die Arteria radialis weist ein den Koronararterien sehr ähnliches Kaliber auf und ist für eine Bypassbrücke sehr gut geeignet. Sie ist allerdings ebenfalls technisch aufwändig freizulegen und anzuschließen, weist aber ebenfalls eine gute Langzeit-Haltbarkeit auf.

Andere körpereigene Schlagadern die in den letzten Jahren ebenfalls zum Einsatz gekommen sind haben sich nicht wirklich bewährt und werden heute sehr selten verwandt (z.B. die große Magenarterie oder die Bauchwandarterie). 

Ihre Bypassversorgung mit den entsprechenden Bypassbrücken planen wir individuell und stimmen diese auf die Notwendigkeiten Ihrer persönlichen Situation am Herzen, Ihren körperlichen Zustand und Ihrer Begleiterkrankungen ab. Sie erhalten somit die für Sie optimale Lösung nach modernsten Gesichtspunkten.


Technische Aspekte

OPCAB

In Abhängigkeit von Ihrem individuellen Befund kann der Eingriff an der Kranzarterien ganz ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden (OPCAB: Off-Pump Coronar Arterielle Bypass Operation). Diese Verfahren kommt aber nur bei bestimmter Lage der Veränderungen der Kranzgefäße in Frage und ist somit nicht bei jedem Patienten möglich bzw. gegenüber dem konventionellen Eingriff vorteilhaft. Als Konsequenz daraus werden in Deutschland jährlich etwa 14% aller Patienten mit koronarer Herzkrankheit ohne Herz-Lungen Maschine operiert.

MIDCAB

Liegt nur eine alleinige Veränderung der großen Vorderwand-Kranzarterie des Herzens vor, kann die Bypassversorgung mit der linken Arteria mammaria interna ohne Herz-Lungen-Maschine mit nur einer kleinen Brustwanderöffnung unterhalb der linken Brustwarze vorgenommen werden (MIDCAB: Minimal Invasive Direkte Coronar Arterielle Bypassoperation).

MIC-HLM

In Abhängigkeit vom individuellen Befund kann der Eingriff an den Kranzarterien bei Ihnen mit einer speziellen schonenden, sogenannten minimal-invasiven Herz-Lungen Maschine (MIC-HLM) durchgeführt werden. Diese spezielle Herz-Lungen-Maschine führt zu einer geringeren Beeinträchtigung der Bestandteile des Blutes, kann aber nicht generell bei jedem Patienten angewandt werden.

Der Herzchirurg plant zusammen mit dem Kardiologen das individuell geeignete Verfahren hinsichtlich der Verwendung der Bypassbrücken als auch hinsichtlich der verwendeten technischen Aspekte und nimmt dieses vor.

Anteil der Bypass-Operationen mit und ohne Herz-Lungen-Maschine.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Jahresstatistik 2012.
 
 
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