Telemedizinische Betreuung

Die Telemedizin in der Kardiologie wird vorwiegend für die Überwachung von schwer herzerkrankten Patienten genutzt. Da diese Patienten mehrheitlich ein Aggregat wie einen Ereignisrecorder, einen Herzschrittmacher oder Defibrillator implantiert bekommen haben, wird die Telemedizin in Verbindung mit diesen Geräten genutzt.

Was ist Telemedizin?

Telemedizin, auch „Homemonitoring“ oder „CareLink“ genannt, ist die Übertragung Patienten bezogener Daten über eine räumliche Distanz. Dies kann entweder zwischen Arzt und Arzt oder zwischen Patient und Arzt erfolgen. Für Patienten, denen ein Schrittmachersystem eingepflanzt wurde, kann ein telemedizinisches Monitoring hilfreich sein. Prinzip dabei ist, dass die Funktionsdaten des Schrittmachers regelmäßig via Telefonnetz an das Herzzentrum übertragen werden.

Voraussetzung ist neben einem normalen Telefonanschluss lediglich ein kleines Zusatzgerät, das die Schrittmacherdaten außerhalb des Körpers per Funk ausliest und automatisch überträgt. Der Datentransfer erfolgt verschlüsselt auf einen geschützten Server. Der Vorteil des Telemonitorings liegt einerseits darin, dass Schrittmacherstörungen frühzeitig durch die behandelnden Ärzte erkannt werden können. Andererseits lassen sich bei reibungslosem Funktionieren die Abstände zwischen den notwendigen Nachsorgeuntersuchungen in der Klinik vergrößern. Ein Schrittmacher-Monitoring ist prinzipiell sowohl von zu Hause aus als auch im Urlaub oder Ausland möglich.

Die Entstehung der Telemedizinischen Betreuung

1906 publizierte Willem Einthoven in den „Archives Internationales de Physiologie“ einen Artikel mit dem Titel „The Telecardiogram“, der sich erstmals mit der Fernübertragung physiologischer Biosignale beschäftigte. Damals ging es um ein Einkanal-EKG, das von Patienten in der Universitätsklinik Leiden über eine 1 Meile lange Telegrafenleitung zu einem Saitengalvanometer im Physiologischen Institut übertragen wurde. Später folgten ab 1960 durch die NASA die Übermittlung physiologischer Daten über große Distanzen, in den 90er Jahren die Übermittlung von Röntgenbildern in der Radiologie und mit der Entstehung von flächenhaften Breitband- Datennetzwerken ab 2000 schließlich die Einführung in die klinische Medizin.

Welchen Patienten hilft Telemedizin?

  • Herzrhythmusstörungen
  • Überwachung mit einem Ereignisrecorder (auch „Event“- oder „Loop“-Recorder genannt)
  • Behandlung mit Herzschrittmacher
  • Behandlung mit Defibrillator
  • Behandlung mit einem kardialen Resynchronisationssystem auch CRT-, biventrikulärer-, Dreikammer Defibrillator oder Dreikammer Herzschrittmacher genannt
  • Behandlung der Herzschwäche auch Herzinsuffizienz genannt
02. Juli 2012

Telemedizinische Patientenbetreuung

Univ.-Prof. Dr. Christian Butter, Chefarzt der Kardiologie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, über die Chancen telemedizinischer Patientenbetreuung.


Wie hilft Telemedizin?

Eine telemedizinische Behandlung oder Überwachung darf die ärztliche Behandlung nicht ersetzen oder reduzieren. Sie soll diese vielmehr in bestimmten Bereichen ergänzen oder spezifizieren.

Aggregat bezogene Telemedizin

Schwer herzkranke Patienten, die ein Aggregat wie zum Beispiel einen Defibrillator entweder bereits implantiert bekommen haben oder in Zukunft erhalten sollen, können sich ohne zusätzliche Kosten für ein telemedizinisch geeignetes Aggregat entscheiden. Der Vorteil einer Aggregat bezogenen Telemedizin gegenüber anderen Systemen in Berlin/Brandenburg, die durch Zusatzgeräte und Zentralen gesteuert werden, liegt in der Einfachheit der Funktion und vollständigen Automatisierung der Systeme sowie in der direkten Auswertung der Daten durch die behandelnden Ärzte.

Auswahl des passenden Monitoring-Systems

In einem Patientengespräch kann dann mit dem Arzt zusammen je nach Erkrankung, technischer Umgebung im Zuhause und medizinischer Anforderung das passende System bestimmt werden. Nach entsprechendem Antrag, Einführung und Test können dann Patientendaten wie zum Beispiel Herzrhythmus, Patientenaktivität oder biologischer Lungenwiderstand automatisch gespeichert, via GSM oder Festnetz an das Herzzentrum übermittelt und dort zeitnah in Verbindung mit den dort bekannten Patientendaten ausgewertet werden.

Verschiedene Basisstationen, die eine telemedizinische Abfrage der implantierten elektrischen Geräte ermöglichen und die Daten über eine Telefonleitung an das Herzzentrum übermitteln
Schnelle Reaktion im Bedarfsfall

Sollten diese Daten eine sprunghafte Veränderung, die unter Umständen eine Veränderung der medizinischen Behandlung bedeutet, zeigen, kann zeitnah durch einen Anruf ein entsprechendes Gespräch oder eine Empfehlung ausgesprochen werden. Derzeit werden große wissenschaftliche Untersuchungen in unserem Zentrum durchgeführt, die möglicherweise einen signifikanten Vorteil dieser Überwachung gegenüber der Standardüberwachung in der Ambulanz oder Praxis bei Patienten mit Herzschwäche zeigen (OptiLink-HF Studie).

Enge Kooperation mit niedergelassenen Kardiologen

Wichtig ist die Verbindung mit dem niedergelassenen, behandelnden Kardiologen, der entweder auf Wunsch direkt auf die gleichen Patientendaten zugreifen kann oder schriftlich durch einen entsprechenden Kurzbericht informiert wird. Viele der niedergelassenen Kardiologen der Region Berlin/Brandenburg wurden bereits früh in dieses Projekt integriert.

Fachkrankenschwester für Telemedizin

Um eine kontinuierliche Auswertung und Überwachung der eintreffenden telemedizinischen Daten sicherzustellen, ist eine Krankenschwester zum zertifizierten telemedizinischen Datenmanager (Fachkrankenschwester für Telemedizin) weitergebildet worden, die die eintreffenden Daten derzeit in enger Abstimmung mit unseren ärztlichen Herzspezialisten überwacht und bei Auffälligkeiten frühzeitig mit den Patienten Kontakt aufnimmt.

Vorteile des telemedizinischen Monitorings

Ein wissenschaftlich bereits nachgewiesener Vorteil ist die telemedizinische Überwachung und Früherkennung in Bezug auf die Gerätefunktion oder mögliche Fehlfunktionen der Implantate gegenüber der Standardnachsorge in Ambulanz oder Praxis.
Ein wesentlicher Vorteil der Telekardiologie in einem Flächenland wie Brandenburg besteht in der Überbrückung der weiten Entfernungen. Anstrengende weite Fahrtwege können für Patienten stark reduziert werden, wodurch die Lebensqualität bei den oft herzinsuffizienten eingeschränkt belastbaren Patienten verbessert wird, bei gleichzeitig auch verbesserter medizinischer Versorgung, da auf Auffälligkeiten schneller reagiert werden kann.

Reichweite der telemedizinischen Betreuung

Bei unserem überregionalen Versorgungsauftrag zeigen die beiliegenden Karten die Verbreitung der telemedizinischen Überwachung der Patienten. Einige unserer Patienten trauen sich aufgrund der telemedizinischen Überwachung mittlerweile auch längere Auslandsaufenthalte wieder zu, so dass die telemedizinische Betreuung bis nach Skandinavien und in den arabischen Raum reicht.

Die telemedizinische Betreuung des Herzzentrums Brandenburg reicht von Skandinavien bis in den arabischen Raum.
 

Therapieschritte

  • Ärztliche Klärung der Indikation zur Implantation eines kardialen Aggregats
  • Patientengespräch über individuelle Vor- oder Nachteile einer telemedizinischen Überwachung, Klärung der Gegebenheiten
  • Implantation
  • Nachsorge in der Ambulanz und Initiierung der Telemedizin mit ausführlicher Erklärung und schriftlicher Zustimmung zum Datenschutz
  • Zusenden, Aufstellen der Verbindungsgeräts und Testlauf
  • Anruf des Nachsorgezentrum und Bestimmung des Zeitintervalls
  • Telemedizinische Überwachung
  • Telefonische Kontaktaufnahme vom Zentrum zum Patient bei auffälliger Datenübertragung
  • Therapieempfehlung und Überwachung

Überwachungsbeispiel

Die zuvor detektierten ventrikulären Tachykardien verschwinden nach Ersatz der defekten Sonde. Durch die frühzeitige Fehlererkennung konnte eine inadäquate Schockbehandlung des Patienten durch das Aggregat vermieden werden. Bei einer herkömmlichen halbjährlichen Kontrolle des Systems wäre der Sondendefekt deutlich später aufgefallen.
 

Studien zur Telemedizin

Fluid status monitoring with a wireless network to reduce cardiovascular-related hospitalizations and mortality in heart failure: rationale and design of the OptiLink HF Study (Optimization of Heart Failure Management using OptiVol Fluid Status Monitoring and CareLink) Eur J Heart Fail. 2011 July; 13(7): 796–804

Telemedical Interventional Monitoring in Heart Failure (TIM-HF), a randomized, controlled intervention trial investigating the impact of telemedicine on mortality in ambulatory patients with heart failure: study design. Eur J Heart Fail. 2010 Dec; 12(12):1354-62

Potential value of automated daily screening of cardiac resynchronization therapy defibrillator diagnostics for prediction of major cardiovascular events: results from Home-CARE (Home Monitoring in Cardiac Resynchronization Therapy) study. Eur J Heart Fail. 2011 Sep;13(9):1019-27

Martin Seifert, Viviane Moeller, Kay Brilla, J. Meyhoefer, Ch. Butter:
Analyse von technischen Anwendungsbeschränkungen und des Schulungsbedarfs der Patienten bei der CareLink Fernabfrage. Clin Res Cardiol 97: Suppl 2 (2008)

 
 
 
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    Christian Butter
    Chefarzt der Abteilung Kardiologie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg

    Chefarztsekretariat Christine Meinecke
    Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg
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